queerfeldein gewinnt HUGO
queerfeldein gewinnt HUGO

queerfeldein gewinnt HUGO

„Neue Wege entstehen, indem wir sie gehen“ (F. Nietzsche)

We made it! Unsere interdisziplinäre Wandelperformance „queerfeldein“ hat den  HUGO Wettbewerb 2021 gewonnen! Wir danken allen Menschen für dein einmaligen Support. Das kollektiv CONTEMPORAMENT unter Leitung der Sopranistin und Dramaturgin Mara Maria Möritz konnte sowohl die Jury als auch das Publikum mit großem Abstand vom Konzept „queerfeldein“ überzeugen. Neben dem HUGO-Pokal und einem Preisgeld von 1000€ dürfen die Künstler*innen die Performance im Rahmen der Montforter Zwischentönen am 28. November 2021 auf Schloss Amberg in Feldkirch (Österreich) auf die Bühne bringen.

ZUM KONZEPT

Bigamie – also die eheliche Partnerschaft mit zwei verschiedenen Personen – ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz strafbar. Aber warum eigentlich? Sollten wir daran etwas ändern? Wie beeinflusst unsere Beziehungsnorm Menschen, die einen anderen Weg gehen? Und liebst du überhaupt richtig?

Die Performance queerfeldein beantwortet einige Fragen, aber vor allem will Mara Maria Möritz mit ihrem Konzept Fragen aufwerfen und zum Nachdenken anregen.

Für einen künstlerischen Einblick schau‘ dir unseren Trailer an.

DIE IDEE

Wir möchten mit Musik, Schauspiel und Literatur eine authentische Geschichte erzählen, die beweist, dass jede Liebe – so viel oder so wenig sie der Norm entspricht – eine echte Liebe ist.

HISTORISCHE GESCHICHTEN:

Kaiser Maximilian erbaute das Schloss Amberg um ca. 1500 für seine zweite Geliebte, mit der er einen Sohn hatte. Das Schloss ist die diesjährige Spielstätte, für die die Performance konzipiert wurde.

1900 verbrachte Paula Ludwig ihre ersten Lebensjahre auf diesem Schloss. Ein Großteil ihres literarischen Schaffens geht aus Inspirationen von ihrer langjährigen Dreiecksbeziehung mit Iwan und Claire Goll hervor.

Graf von Gleichen ist eine Sage über einen „zweibeweibten“ Mann, der mit beiden Frauen kirchlich getraut wurde.

Die drei Geschichten haben nicht nur die Beziehungskonstellation gemein: auch ein soziales Gefälle, die spannungsvolle Einsamkeit, die religiöse Auseinandersetzung oder die Liebe zu Blumen begleitet deren Weg.

MUSIK & LITERATUR

Musikalische Grundlage ist Schuberts Skizzen-Oper „Graf von Gleichen“. Schubert hat kurz vor seinem Tod an der Geschichte um den bigamen Adligen gearbeitet und konnte sie trotz dringendem Wunsch im Krankenbett nicht vervollständigen. Richard Dünser hat Schuberts Einfälle mit auf den Weg in seine Heimat Vorarlberg genommen und orchestriert. Wir nehmen das Libretto von Bauernfeld, Schuberts und Dünsers Einfälle mit auf unseren eigenen Weg:

  • Wir ergänzen den Text mit Literatur der Goll-Ludwig-Beziehung und zeitgenössischen Texten.
  • Wir fügen Hammerklavier- und Jazzpiano-Aufnahmen, Interviews mit betroffenen Menschen und ExpertInnen der Region und elektronische Klänge zu Soundscapes zusammen, die das Orchester ersetzen.
  • Die drei ProtagonistInnen nehmen die Musik mit auf eigene Wege von der Klassik über Sprechgesang zu Latino-Jazz.

Die Skizze versinnbildlicht den musikalischen „Weg und Einfall“. Die Performance dreht sich um Wege und Einfälle zwischen eigener Sexualität und gesellschaftlicher Norm.

PERFORMANCE:

Drei KünstlerInnen verkörpern in drei Räumen die drei Parteien einer bigamen Beziehung und spielen dreimal die gleiche Szene. Das Publikum wird in drei Gruppen geteilt, die sich auf die Räume verteilen. Nach jedem Durchgang führen Guides die Zuschauergruppen in den nächsten Raum und die ProtagonistInnen beginnen von vorne. Im Laufe der 60 Minuten vervollständigt sich die Handlung durch die drei verschiedenen Perspektiven.

HANDLUNG:

Die Handlung orientiert sich an Eduard Bauernfelds Libretto zur Oper „Graf von Gleichen“: Der Graf – in einem Feldzug verschleppt – vergeht vor Liebe zu seiner Gräfin, bis Suleika seine Gefühle in Wallung bringt. Der Graf überreicht der Sultanstochter eine besondere Blume und zieht sie – unwissend über die Macht der Blume – in den Strudel der bigamen Beziehung mit seiner Frau.

Suleika verrät ihre Werte, lässt den Vater zurück, und will in der Heimat des Grafen ein neues, unsichtbares Leben beginnen. Sie planen die Flucht.

Das Wiedersehen mit ihrem Ehemann holt die Gräfin aus einem tiefen Loch, denn ihr „Leben wird nur durch ihn verklärt“. Weil die Gräfin aber auch weiß, dass ihr Mann nur glücklich wird mit Suleika, akzeptiert sie eine zweite Frau an seiner Seite.

Parallelen zu Paula Ludwig und den Golls:

Ivan Goll lernt bei einem Literatendinner Paula Ludwig (geb. in Feldkirch) kennen und lieben. Paula, die in ihrer Jugend nichts mehr herbeisehnte, als Nonne zu werden, vergas diese Pläne. Ivan, der bereits mit Claire Goll (geb. Studer in Nürnberg) verheiratet war, teilte für viele Jahre seine Zeit und Liebe zwischen den Frauen, was sehr viele Reisen und Einsamkeit bedeutete.

Was die drei verband, war ihre Liebe zu Blumen. Was sie unterschied, war deren Religion: Ivan und Claire gehörten dem Judentum an und litten unter dem Nationalsozialismus. Paula entschied sich, aus Hass auf das Regime nach Brasilien zu fliehen und ein neues Leben zu beginnen.

Alle PartnerInnen bezogen viel, meist schmerzhafte, Inspiration aus der Beziehung: „Dem dunklen Gott“ oder die „Malaiischen Liebeslieder“ sind Beispiele. Dokumentiert wird deren Beziehung im Buch „Nur einmal noch werd ich dir untreu sein“, dem Briefwechsel der drei PartnerInnen zwischen 1917-1966. Während Paula sich auflehnt, ihrem Schmerz und ihrer Wut Raum gibt, wird Claire psychisch und physisch immer kränker ohne ihren Mann. Ihre letzten Lebensjahre widmete sie ganz seinem Werk.

 

BESETZUNG & TEAM

Mara Maria Möritz (Leitung, Text, Visual Arts, Sopran)

Rachel Alonso Müller (Jazz-Vocals)

Lukas Amberger (Schauspiel)

 

Kiara Konstantinou (elektr. Komposition, Technik)

Magdiel Bapstistin Vaillant (Jazz-Arrangements und -Kompositionen, Recording, Guide)

Philippe Gaspoz (Aufnahmen Hammerklavier, Guide)

Mia Rosa (Kostümbildnerin, Guide)

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